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Jugend<br/>#esistkompliziert

Jugend
#esistkompliziert

Dezember 2017

Gesund erwachsen zu werden, ist gar nicht immer einfach. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie es doch gelingen kann. Dabei kommen auch die Jugendlichen selbst zu Wort.
- Der ungesunde Traum vom perfekten Körper
- Let's talk about sex! Nur wie?
- Gesundes Aufwachsen fördern
- Fokus Gemeinde: Finde deinen Sport
- Interview zu Jugendarbeit

Deutsch *

Der ungesunde Traum vom perfekten Körper

Befragungen zeigen: Viele junge Frauen halten sich für zu dick. Junge Männer fühlen sich häufig zu wenig muskulös. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann zur ernsthaften psychischen Belastung werden. Es lohnt sich daher, sich gezielt für ein positives Körperbild bei Jugendlichen einzusetzen.
Text: Franziska Widmer Howald

Das körperliche Schönheitsideal hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt: Im Mittelalter galt ein üppig sinnlicher weiblicher Körper als attraktiv. Heute wird für Frauen vorwiegend das Ideal von Schlankheit propagiert. Von Männern wird zunehmend verlangt, ebenfalls schlank, gleichzeitig aber auch muskulös zu sein. Die aktuell geltenden Schönheitsideale sind weitgehend unrealistisch und für die meisten Menschen nicht erreichbar. Sie lassen sich mehrheitlich nur über digi­tale Bildbearbeitung herstellen.

Bedenklicher Trend
Um dieser Entwicklung auch in der Schweiz nachzugehen, führte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW 2015 unter der Leitung von Prof. Marcel Schär eine Studie in der Deutschschweiz durch. Im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz wurden 371 Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren zur Selbsteinschätzung ihres Körperbildes befragt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Jungen analog zu den Mädchen explizit nur zu ihrem Körpergewicht und ihrer Körperform, jedoch nicht zusätzlich auch zu ihrer Muskelmasse befragt worden. In der Befragung gaben tatsächlich 78 % der jungen Männer an, weniger muskulös zu sein, als sie es gerne sein möchten. Allerdings gaben nur 54 % der Jungen an, auch wirklich etwas für den Muskelaufbau zu tun. Bei den Mädchen stand vor allem das Gewicht im Zentrum, wobei 60 % der Mädchen schlanker sein wollten und gleich viele bereits eine Diät gemacht hatten.

Unrealistische Medienbilder
Ergänzende Daten aus der Romandie von 2016 bestätigen diesen Trend: Die jungen Männer in der französischsprachigen Schweiz haben tendenziell sogar ein noch negativeres Körperbild als die Jungen in der Deutschschweiz (vgl. Tabelle). 

Im Rahmen der Studien wurde auch untersucht, wie gut sich die Jugendlichen von unrealistischen Medienbildern distanzieren konnten und ob sie glaubten, dass sie mit ihrem Wunschkörper besser akzeptiert wären. Die Studie aus der Romandie 2016 bestätigte die Resultate der ZHAW von 2015: Es konnte deutlich gezeigt werden, dass der Einfluss der Medien sowie die Hoffnung auf persönliche und gesellschaftliche Akzeptanz sehr stark mit dem eigenen Körperbild zusammenhängen. Bilder und über die Medien vermittelte Werte und Normen beeinflussen das Körperbild stark. Die psychische Gesundheit ist in beiden Sprachregionen signifikant besser, wenn es den Jugendlichen gelingt, den Einfluss der Medien gering zu halten. Jugendliche geben deutlich weniger oft an, sich einen anderen Körper zu wünschen, je besser sie sich von den Medienbildern abschirmen können.

Massnahmen entwickeln
Wie kann von Seiten der Prävention und Gesundheitsförderung auf den beschriebenen Trend reagiert werden? Die folgenden Handlungsempfehlungen fassen zusammen, wie das positive Körperbild von Jugendlichen in der Schweiz längerfristig gefördert und unterstützt werden kann:

  • Zukünftige Sensibilisierungs- und Kommunikationsmassnahmen müssen zwingend unter Einbezug der sozialen Medien und der wichtigsten Bezugspersonen entwickelt werden.
  • Die Angebote zur Stärkung des positiven Körperbildes, und damit verbunden der Selbstakzeptanz und des Selbstwertes als wichtige Ressourcen, müssen für die Jugendlichen selber, aber auch für ihre Eltern, Lehrpersonen und Sporttrainer in unterschiedlichen Settings (Schule, Freizeit) geplant, in Pilotversuchen getestet und evaluiert werden.
  • Eine fachlich breit abgestützte Expertengruppe soll die zu entwickelnden Massnahmen für die Praxis von Beginn weg begleiten und kritisch reflektieren.
  • Um das Körperbild der Jugendlichen regelmässig zu überprüfen und auch zukünftige Trends in die Handlungsempfehlungen und Massnahmen zu integrieren, müssen die Fragen zum positiven Körperbild langfristig in nationale Monitorings eingebunden werden.

Es wäre zudem zeitgemäss, glaubhafte Botschafter/Blogger der anvisierten Zielgruppen in den sozialen Netzwerken als Informationsträgerinnen und -träger zu gewinnen und innerhalb der Entwicklung von Massnahmen als fachliche Multiplikatoren zu coachen.

Nicht nur der BMI zählt
Für Fachleute ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass ein gesundes Körpergewicht mehr ist als ein Body-Mass-Index im Normalbereich. Zu einem gesunden Körpergewicht gehört auch ein positives Verhältnis zum eigenen Körper.

Konzept Körperbild

Das Körperbild beschreibt die subjektive Einstellung und die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper unabhängig von objektiven Voraussetzungen wie Gewicht, Körperform oder weiteren äusseren Merkmalen wie beispielsweise Hautfarbe, Augenabstand und Nasenform. Es bildet sich immer aufgrund von Wechselwirkungen zwischen der Person und ihrem Umfeld. Das Körperbild ist ein wichtiger Bestandteil unserer Identität und unseres Selbstkonzepts.

Negatives Körperbild
Faktoren eines negativen Körperbildes sind:
- Starke Unzufriedenheit, negative Gedanken und negative Gefühle gegenüber dem eigenen Körper.
Starker Druck aufgrund des kulturellen Schönheitsideals, der sozialen Botschaften und der individuellen Persönlichkeitsmerkmale.
Problematisch ist ein negatives Körperbild dann, wenn der Wunsch, seinen Körper zu verändern, zu einem gesundheitsgefährdenden Verhalten führt oder wenn es die psychische Gesundheit ernsthaft beeinträchtigt.

Positives Körperbild
Die Fachwelt ist sich einig, dass Personen mit einem positiven Körperbild:
- zufrieden sind mit ihrem Körper,
- die in der Gesellschaft vorherrschenden Schönheitsideale kritisch reflektieren,
- sorgsam mit ihrem Körper umgehen können.

Franziska Widmer Howald
Projektleiterin Ernährung
Gesundheitsförderung Schweiz
Tel. 031 350 04 02
franziska.widmer(at)promotionsante.ch

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