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Brain Health

Brain Health

Juli 2026

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk – hochkomplex, ständig aktiv und prägend dafür, wie wir denken, fühlen und handeln. In dieser Magazinausgabe erfahren Sie unter anderem, weshalb Tanzen die Synapsen zum Glühen bringt und wie Tanzveranstaltungen gestaltet werden können, damit ältere Menschen mit Freude teilnehmen. Auch Lesen stimuliert das Gehirn. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Inhalt:
- Pausen stärken das Gehirn
- Wirksamer Schutz fürs Gehirn
- Wie unser Gehirn von Bewegung profitiert
- Das Gehirn fördern
- Lernen trotz Kopfschmerzen
- Zum Entdecken
- Die Kraft des Erfahrungsaustauschs
- Auf einen Blick
- Telefonieren gegen die Einsamkeit
- Aus dem Arbeitsalltag von Pia Labruyère

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Wirksamer Schutz fürs Gehirn

Porträt von Susanne Wegener

In der Schweiz leidet ein Drittel der Bevölkerung an einer Erkrankung des Gehirns. Die Folgen für die Betroffenen, ihr Umfeld und auch für das Gesundheitssystem sind erheblich. Der Swiss Brain Health Plan will als nationale Strategie die Prävention von Hirnerkrankungen stärken.

Text: Prof. Dr. med. Susanne Wegener

Unser Gehirn erfüllt essenzielle Aufgaben: Es ermöglicht unter anderem das Denken, Erinnern, Sprechen und Fühlen. Es koordiniert Bewegungen und Sinneswahrnehmungen sowie lebenswichtige Funktionen wie die Atmung und den Kreislauf. Ein gesundes Gehirn ist also zentral für unsere Lebensqualität.

Was Hirngesundheit bedeutet

Gemäss der Definition der World Health Organization (WHO) versteht man unter Hirngesundheit den «Zustand der Hirnfunktion in den Bereichen Kognition, Sensorik, sozial-emotionales Verhalten und Motorik, der es dem Menschen ermöglicht, sein volles Potenzial über den gesamten Lebensverlauf hinweg auszuschöpfen, unabhängig davon, ob Erkrankungen vorliegen oder nicht».

Neurologische Erkrankungen beeinflussen häufig auch die Psyche – direkt oder indirekt. Psychiatrische Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie gehen mit strukturellen und funktionellen Veränderungen im Gehirn einher. Hirngesundheit umfasst daher sowohl neurologische als auch psychiatrische Aspekte.

Jede dritte Person betroffen

Hirnerkrankungen zählen weltweit zu den grössten Gesundheitsproblemen. In der Schweiz ist mindestens jede dritte Person von einer neurologischen oder psychiatrischen Störung oder Erkrankung betroffen. Besonders häufig sind Kopfschmerzen, Hirnschlag, Demenz, Angststörungen, Schlafprobleme und Depressionen. Für Betroffene und ihre Familien stellen Hirnerkrankungen eine grosse Belastung dar. Sie beanspruchen auch das Gesundheitssystem. Neurologische und psychiatrische Erkrankungen verursachen aktuell weit höhere Kosten als Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen.

Forschung und neue Therapien

Die Kindheit, die Jugend sowie das Alter sind vulnerable Phasen für die Hirngesundheit. Mit zunehmendem Alter sind Menschen öfter von neurologischen Erkrankungen wie Hirnschlag oder Demenz betroffen. In den letzten Jahrzehnten wurde international intensiv geforscht und spezialisierte Strukturen, wie Stroke Units und Stroke Centers, konnten aufgebaut werden. Das ermöglichte die Entwicklung neuer Therapien für Hirnschlag-Patientinnen und -Patienten. Bessere diagnostische Möglichkeiten und modernste Therapien zur Entfernung von Blutgerinnseln sorgen dafür, dass die Mortalität vermindert wurde. Dieser grosse Erfolg ist unter anderem der Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen zu verdanken.

Auch bei der Alzheimer-Demenz wird nach Kräften geforscht. Kürzlich wurden in der Schweiz Anti-Amyloid-Therapien zugelassen. Sie wecken grosse Hoffnungen, den Verlauf dieser unheilbaren Erkrankung bremsen zu können. Die breite Anwendung in der Schweiz wird in diesem Jahr erwartet.

Jüngere leiden häufig unter Migräne

Erkrankungen des Gehirns spielen auch im Leben vieler jüngerer Menschen eine Rolle. So ist Migräne mit rund einer Million Betroffener in der Schweiz eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Sie ist die Hauptursache von Arbeitsausfällen und schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Nicht selten leiden bereits Kinder und Jugendliche unter Migräne. Lernschwierigkeiten und Absenzen in der Schule sind Folgen (siehe Artikel auf S. 12).

Die Schweizerische Kopfwehgesellschaft engagiert sich mit den Initiativen «migraine friendly workspace» und «migraine friendly school» für die bessere Unterstützung Betroffener in der Schule und der Arbeitswelt und setzt sich gegen deren Stigmatisierung ein.

Psychische Erkrankungen nehmen zu

Viele psychische Erkrankungen beginnen bereits im Kindes- oder Jugendalter. In den letzten Jahren haben psychiatrische Erkrankungen bei jüngeren Menschen stark zugenommen. Die übermässige Nutzung oder Abhängigkeit von Social Media und der Konsum nicht altersgemässer Inhalte im Internet scheinen dabei eine Rolle zu spielen.

Stress belastet viele Erwachsene

Im mittleren Erwachsenenalter gibt es ebenfalls Risikofaktoren, welche die Hirngesundheit beeinflussen können. Einer davon ist Stress. Eine Befragung des Bundesamts für Statistik in der Schweiz ergab, dass in den letzten Jahren deutlich mehr Menschen unter Stress litten. Stress kann kardiovaskuläre und auch psychische Erkrankungen oder Kopfschmerzen fördern.

Prävention schützt die Hirngesundheit

Prävention ist ein wirksamer Ansatz, um die Hirngesundheit zu erhalten und das Risiko für neurologische und psychiatrische Erkrankungen zu senken. Zentral ist ein gesunder, aktiver Lebensstil. Heute weiss man, dass durch präventive Massnahmen bis zu 50 Prozent der Demenzfälle und bis zu 80 Prozent der Hirnschläge verhindert werden können.

Die wichtigsten Präventionsmassnahmen

  • regelmässige Bewegung (Empfehlungen siehe S. 9)
  • Verzicht auf Substanzen wie Nikotin und Alkohol
  • abwechslungsreiche und gesunde Ernährung
  • ausreichender und erholsamer Schlaf
  • Behandlung von Diabetes, Bluthochdruck und Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung)
  • stressarme, aber aktivierende Umgebung
  • positives soziales Umfeld und häufiger sozialer Austausch

Viele dieser Massnahmen schützen gleichzeitig vor mehreren Hirnerkrankungen: von Hirnschlag und Depressionen bis zu Demenz und Kopfschmerzen.

Prävention attraktiv gestalten

Wirksame Präventionsmassnahmen zu etablieren, ist eine lohnende, aber nicht zu unterschätzende Herausforderung. Denn die Massnahmen fordern in der Regel, dass wir unseren Lebensstil aktiv verändern. Dazu kommt, dass nicht alle Präventionsmassnahmen für jede Person gleich attraktiv oder gleich gut umsetzbar sind. Deshalb ist es wichtig, individuelle Vorlieben und Möglichkeiten in der Prävention zu berücksichtigen.

Zudem wirken bestimmte Massnahmen nicht bei allen Menschen gleich. So wurde zum Beispiel bei Demenz gezeigt, dass das Demenzrisiko von Frauen und Männern unterschiedlich von körperlicher Aktivität abhängt: Bei Männern scheint Inaktivität eine noch negativere Rolle zu spielen. Neben dem Geschlecht sollten daher auch weitere individuelle Faktoren betrachtet werden – im Zusammenhang mit dem individuellen Risikoprofil. Damit Präventionsmassnahmen viele Menschen erreichen, müssen sie leicht zugänglich und gesellschaftlich akzeptiert sein.

Der Swiss Brain Health Plan

Die Schweiz hat als eines der ersten Länder 2022 eine nationale Strategie entwickelt, um die Hirngesundheit und die Prävention von Hirnerkrankungen zu stärken. Der so genannte Swiss Brain Health Plan (SBHP) steht im Einklang mit anderen nationalen, europäischen und weltweiten Programmen zum Thema Brain Health. Er verfolgt das Ziel, die Hirngesundheit über die gesamte Lebensspanne nach einem integrierten Public-Health-Ansatz zu stärken.

Die Massnahmen des SBHP

  • Aufklärung zur Bedeutung der Hirngesundheit in der Bevölkerung
  • interprofessionelle Aus- und Weiterbildung
  • Forschung zu den Einflussfaktoren auf die Hirngesundheit und zu Präventionsmöglichkeiten
  • Unterstützung für die Betroffenen und ihre Familien

Zu den bereits erreichten Meilensteinen des SBHP zählen die Gründung eines Certificate of Advanced Studies (CAS) «Brain Health» an der Universität Bern, das Sammeln und Publizieren von Daten zur Hirngesundheit, Veranstaltungen zur Stärkung der Patientenvertretungen und ihrer Bedürfnisse sowie Forschungsarbeiten und politische Aktivitäten.

Die Hirngesundheit ist ein kostbares Gut und zugleich ein höchst individueller Zustand. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, sein Potenzial für ein erfülltes Leben bestmöglich zu entfalten – auch bei bereits bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen. Es gibt noch viel zu tun, um dies zu erreichen.