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Brain Health

Brain Health

Juli 2026

Unser Gehirn ist ein Wunderwerk – hochkomplex, ständig aktiv und prägend dafür, wie wir denken, fühlen und handeln. In dieser Magazinausgabe erfahren Sie unter anderem, weshalb Tanzen die Synapsen zum Glühen bringt und wie Tanzveranstaltungen gestaltet werden können, damit ältere Menschen mit Freude teilnehmen. Auch Lesen stimuliert das Gehirn. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre.

Inhalt:
- Pausen stärken das Gehirn
- Wirksamer Schutz fürs Gehirn
- Wie unser Gehirn von Bewegung profitiert
- Das Gehirn fördern
- Lernen trotz Kopfschmerzen
- Zum Entdecken
- Die Kraft des Erfahrungsaustauschs
- Auf einen Blick
- Telefonieren gegen die Einsamkeit
- Aus dem Arbeitsalltag von Pia Labruyère

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Die Kraft des Erfahrungsaustauschs

Die Kraft des Erfahrngsaustauschs

Gemeinschaftliche Selbsthilfe ist eine wirksame Ergänzung zu Therapie und Behandlung. Sie kann Menschen dabei helfen, Bewältigungsstrategien zu finden und besser mit einer schwierigen Lebenssituation umzugehen.

Text: Franziska Herren

Die Sonne scheint hell in die Räume der Informations- und Beratungsstelle Selbsthilfe Zürich hinein. In diesem einladenden Haus inmitten des Klusparks trifft sich Sandra Steiner* alle zwei Monate mit ihrer Selbsthilfegruppe. Zur Selbsthilfe kam sie, nachdem ihr Mann vor acht Jahren die Diagnose Demenz erhalten hatte. Er war sechzig und noch im Arbeitsleben. «Sein Chef schrieb mir, er habe den Eindruck, dass etwas nicht stimme, und bat mich um eine ärztliche Abklärung», erzählt Steiner. «Ich selbst hatte bis dahin nichts mitbekommen.» Die Diagnose Demenz warf sie aus der Bahn. Ein Gedankenkarussell begann sich in ihrem Kopf zu drehen: Wie geht es jetzt weiter? Wie schaffen wir das finanziell? Wie sage ich es unseren Kindern und unserem Umfeld? Nach dem ersten Schock entschied sich ihr Mann, eine Selbsthilfegruppe für Demenzbetroffene aufzusuchen. «Wir Angehörigen verspürten mit der Zeit ebenfalls den Wunsch, uns auszutauschen. So entstand unsere Gruppe für Angehörige von Menschen, die unter 65 Jahren an Demenz erkrankt sind», erinnert sich Steiner.

Selbsthilfegruppen gründen

Selbsthilfe Zürich unterstützte Steiner und die anderen Angehörigen beim Aufbau ihrer Gruppe. «Bei der Gründung neuer Gruppen klären wir stets wichtige Punkte: Wie wollen sich die Teilnehmenden organisieren? Wie und wo werden die Treffen organisiert?», erklärt Nadia Maurer, stellvertretende Geschäftsleiterin von Selbsthilfe Zürich. Selbsthilfe soll für alle zugänglich sein. Daher stellt Selbsthilfe Zürich ihre Räume den Gruppen mit fünf Franken pro Teilnahme kostengünstig zur Verfügung.

Zu Themen wie Struktur und Ablauf von Treffen, Kommunikationsregeln oder Aufnahme neuer Mitglieder informieren die Mitarbeitenden von Selbsthilfe Zürich die Gruppen mit Leitfäden und Merkblättern. «Wir sind bei den ersten Treffen dabei. Ziel ist es, dass jede Gruppe nach dieser Begleitung die Treffen selbstständig durchführen kann. Wir bleiben im Hintergrund und sind für Fragen da», führt Maurer aus. Bis zu dreimal im Jahr organisiert Selbsthilfe Zürich zudem einen gruppenübergreifenden Austausch.

Gegenseitige Unterstützung

In Selbsthilfegruppen sprechen Betroffene über ihre Erfahrungen: Wie sie mit ihrer Situation umgehen, wie sie den Alltag bewältigen, was ihnen hilft oder wo sie Unterstützung erhalten. Der Austausch eröffnet neue Perspektiven, zeigt hilfreiche Strategien auf und verdeutlicht, dass es verschiedene Wege gibt, mit Herausforderungen umzugehen. So bilden Selbsthilfegruppen ein unterstützendes Netzwerk.

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Selbsthilfe ist ein eigenständiger Leistungsbereich. Sie ergänzt die medizinische und therapeutische Arbeit und leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention.

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Selbsthilfe deckt viele Themen ab

Bei den drei Selbsthilfezentren des Kantons Zürich (siehe Infokasten) sind über 600 Gruppen registriert. Sie decken ein breites Themenspektrum ab: von somatischen, psychischen und physischen Erkrankungen über Suchterkrankungen bis zu Neurodiversität oder herausfordernden Lebensereignissen. Auch auf neue Themen wie zum Beispiel Long Covid können Selbsthilfezentren rasch reagieren und neue Gruppen bilden.

Vernetzung mit Fachpersonen

Um das Angebot bekannt zu machen, sind die Selbsthilfezentren mit Fachstellen im Gesundheits- und Sozialwesen vernetzt und im Austausch. Die Mitarbeitenden beraten sowohl interessierte Fachpersonen wie auch Betroffene und Angehörige, die eine Gruppe suchen.

Der Nutzen von Selbsthilfe

«Selbsthilfe ist ein eigenständiger Leistungsbereich. Sie ergänzt die medizinische und therapeutische Arbeit und leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention», erklärt Maurer. 2017 stellte ein zweisprachiges Forscherteam der Hochschule Luzern und der Universität Lausanne in einer Studie fest, dass sich das Wohlbefinden verbessert, wenn Menschen an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen. Durch die Selbsthilfe fühlen sich Betroffene mit ihrer schwierigen Situation nicht alleingelassen, können neue Kontakte knüpfen und im Austausch mit anderen praktische Lösungen finden.

Auch Sandra Steiner sagt: «Ich gehe gerne zu den Gruppentreffen. Wir sind alle in einer ähnlichen Situation und müssen uns nicht erklären.» In der Zeit zwischen den Treffen tauschen sich die Mitglieder ihrer Gruppe per Chat aus. In Zukunft wollen sie sich auch mal ausserhalb treffen – zum Kaffeetrinken oder für einen Ausflug.

*Name von der Redaktion geändert

Selbsthilfezentren im Kanton Zürich
Im Kanton Zürich gibt es drei regionale Selbsthilfezentren, die Information und Beratung zu Selbsthilfegruppen bieten:

Selbsthilfezentrum Zürcher Oberland & Pfannenstiel:
selbsthilfezentrum-zo.ch

Selbsthilfe Winterthur Schaffhausen:
selbsthilfe-winterthur-schaffhausen.ch

Selbsthilfe Zürich:
selbsthilfezuerich.ch

Zusammenarbeit mit Gesundheitsinstitutionen

Das Modell «Selbsthilfefreundlichkeit in Spitälern und Gesundheitsinstitutionen» fördert Selbsthilfe als Ergänzung zur Behandlung und als Nachsorgeangebot für Patientinnen und Patienten und ihre Angehörigen. Selbsthilfefreundliche Spitäler und Gesundheitsinstitutionen arbeiten auf Augenhöhe mit Selbsthilfegruppen und -zentren zusammen. Im Kanton Zürich sind aktuell 22 Organisationen oder Organisationseinheiten selbsthilfefreundlich oder auf dem Weg zur Auszeichnung.

selbsthilfefreundlichkeit.ch